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Berufsbildungsprojekt

Elterngruppe macht sich stark für Berufsbildungsprojekt

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In der Region Hannover fehlen inklusive berufsbildende Beschulungsmöglichkeiten für Menschen mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung. Inklusive Außenarbeitsplätze bieten lediglich vereinzelt die Werkstätten der Caritas, der Lebenshilfe und den Hannoverschen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen an.  "Inklusion beinhaltet das Recht auf umfassende gesellschaftliche Teilhabe und ist kein Gnadenakt", ist die Meinung einer Elterngruppe, die sich ehrenamtlich auf den Weg gemacht hat, eine Berufsbildungsmaßnahme in Hannover und/oder Umgebung anzustoßen. Jugendliche mit und ohne Behinderung haben das Recht, gemeinsam ihren Weg zu gehen. Die notwendige Unterstützung muss ihnen gewährt werden. Jetzt. So schreibt es Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention vor. Leider fehlt manchmal es genau an dieser Unterstützung. Der US-amerikanischer Psychologe Julian Rappaport sagte einmal: „Rechte ohne Ressourcen zu besitzen ist ein grausamer Scherz!“

Die Inklusion der Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt kommt der gesamten Gesellschaft zugute.
Eine Studie in Kanada zeigte, „dass der Ausschluss von behinderten Menschen vom Arbeitsmarkt das potenzielle Bruttoinlandsprodukt um 7,7% ($ 55.8 Milliarden) mindert“ (UNESCO 2010, S.13). Dieser Ausschluss kann durch inklusive Bildung verringert werden. Denn inklusive Bildung erleichtert den Übergang in eine inklusive Arbeitswelt. Prof. Clemens Hillenbrand, Direktor des Instituts für Sonder- und Rehabilitationspädagogik in Oldenburg, führt aus, dass sich inklusive Bildung langfristig finanziell lohnt, da Kanadas Bruttosozialprodukt durch Inklusion 7,5% gewinnt.

Um das Recht der gesellschaftlichen Teilhabe in einem kleinen, aber doch für Hannover sicher entscheidenden Wirkungskreis umsetzen zu können, hat die Elterngruppe Kontakt zu Schulen aufgenommen. Junge Menschen mit Förderbedarf GE (Geistige Entwicklung) sollen nach dem Konzept der Arbeitsgemeinschaft über einen neuen Unterrichtszweig in das Angebots-Spektrum der Ausbildungszweige aufgenommen werden.

Künstlerische Herangehensweise
Wenn Menschen mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung auf dem ersten Arbeitsmarkt eingesetzt werden, können sie sich dort nicht durch kognitive Fähigkeiten, Fachwissen und strukturelles Denken profilieren. Sie werden vorwiegend in zuarbeitender, unterstützender Funktion eingesetzt. Eine bundesweite Erhebung zeigt, dass Firmen, die Menschen mit Beeinträchtigungen einstellen, vor allem auf Softskills Wert legen wie zum Beispiel kommunikative Fähigkeiten, Pünktlichkeit (100 Prozent), Höflichkeit (88,9 Prozent), Teamfähigkeit (88,9 Prozent), Sorgfalt (83 Prozent), Selbstständigkeit (66,7 Prozent). Nötiges Fachwissen nennen nur 16,7 Prozent der befragten Firmen als Antwort auf die Frage nach den erwarteten sozialen Qualifikationen. Bei der Nachfrage, was die Unternehmen davon abhalte, Menschen mit Behinderungen einzustellen, nennen nur vier Prozent die geringe Leistungsfähigkeit der geistig behinderten Menschen als Grund. Die Hälfte der befragten Firmen war bereit, Männer und Frauen mit geistigen Behinderungen einzustellen.

Da viele Menschen mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung Kompetenzen nicht in erster Linie über verbale Sprache erlernen, ist ein multisensorieller Unterricht in der Regel am effektivsten. Eine Ausbildung, die Bewegung und kreative Aspekte in den Vordergrund stellt, kann diesen Gegebenheiten in besonderem Maße entsprechen. Im künstlerischen Tun können individuelle Kompetenzen entdeckt, gefördert und erweitert werden. Ein defizitorientiertes Denken im kognitiven Bereich tritt in den Hintergrund neben sozialen, emotionalen, interaktiven und physischen Aspekten. Über die Präsentation von künstlerischer Tätigkeiten in Tanz- und/oder Theaterperformances, in Konzerten oder Kunstausstellungen kann ein Selbstwertgefühl aufgebaut und gestärkt werden, das der verantwortungsvollen Tätigkeit am späteren Arbeitsplatz zu Nutze kommt.

Da Menschen mit Förderbedarf Geistige Entwicklung sehr häufig eine Affinität zu künstlerischen Bereichen haben, hält es die Elterngruppe für sinnvoll, eine Ausbildungsmaßnahme ins Leben zu rufen, die diesen Kompetenzen in besonderem Maße entgegenkommt und auf diese Weise Stärken nutzt.
Die Elterngruppe schlägt vor, die berufsbildende Maßnahme mit drei Schwerpunktbereichen anzubieten, von denen die Schüler ein Ressort auswählen.

  • Atelier 1: Tanz/Theater/Szenisches Spiel
    Atelier 2: Instrumentalspiel/Band/Rhythmik
    Atelier 3: Bildende Kunst

Die erworbenen künstlerischen Kompetenzen steigern die Lebensqualität der Menschen mit Förderbedarf langfristig erheblich, da sie diese zudem weiterhin als ein Hobby betreiben können.

Im Rahmen der künstlerischen Tätigkeiten soll die individuelle Potenzialanalyse helfen, die eigenen Stärken und Interessen zu finden. Daraus ergeben sich Berufsfelder, die in verschiedenen Berufspraktika erprobt werden können. Das Berufsziel sollte daher nicht vorher zwingend definiert werden.

  • Inklusiver Unterricht
    - Die künstlerischen Fächer eigenen sich hervorragend für inklusiven Unterricht.
    - Auch die berufsorientierenden Module zum Kennenlernen verschiedener Berufsfelder sollten inklusiv gestaltet werden, wobei es am effektivsten anmutet, dass die Unterrichtsinhalte von Sonderpädagogen und Fachlehrern der BBS im Tandem geplant und unterrichtet werden.
    - Die Inhalte in den allgemeinbildenden Fächern sollten individuell auf die erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler - angebunden an die künstlerischen und berufsbildenden Fächer - gestalten werden.
  • Zusammensetzung der Lehrer und Dozenten
    a) Sollten sich für den künstlerischen Bereich nicht ausreichend Sonderpädagogen an einer Schule finden, könnten Künstler als Honorarkräfte oder Festangestellte beschäftigt werden.
    b) Für den allgemeinbildenden Unterricht (Deutsch, Mathematik, Sachunterricht) können Sonderpädagogen eingesetzt werden, die bereits an der inklusiven Schule tätig sind.
    c) Für den Unterricht für das jeweilige Berufsziel müssen zunächst Lehrkräfte der Schule tätig werden. Später können im dualen System Betriebe die Ausbildung begleiten. Die Betriebe müssen jedoch gefunden und intensiv gecoacht werden (Arbeitsassistenz, „Unterstützte Beschäftigung“. Beratung Unternehmensnetzwerk Niedersachsen).
    d) Um Arbeitsstellen zu akquirieren und die Firmen zu unterstützen. gibt es die Möglichkeit JobCoaches einzusetzen.
  • Ziel
    - Angestrebt wird ein Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt in einem nicht vorher bestimmten Berufsfeld. Finanzierung: aus dem Budget für Arbeit von der Agentur für Arbeit.
    Oder:
    - Anschluss einer theorie-reduzierten Ausbildung an einer Berufsschule (neue Ausbildungsmöglichkeiten im BVJ sollen geschaffen werden).